Bau eines Rennmotorrades - die Startmaschine

Eigentlich, so denkt man, eigentlich ist es ganz einfach, ein Rennmotorrad zu bauen: Man lässt einfach alles weg, was überflüssig erscheint. Leicht sei der Renner .. und zack, wie gedacht, so geschraubt: Blinker weg, Lampe weg, ungefähr 30m Kabelsalat samt Schaltern/Relais/Gleichrichtern/Reglern und sonstigem Geraffel weg, Lichtmaschine weg (war eh' im Arsch, wie praktisch), und, besonderes Vergnügen: Anlasser weg. Der Guzzi-Anlasser kommt offensichtlich baugleich aus der Actros-Baureihe von Mercedes-Benz, und allein sein Fehlen macht die Guzzi zum Mercedes unter den Krädern: "SL" - "schnell-leicht". Jetzt säg' ich noch das Rahmenheck ab, dann wird sie "SLK" - "schnell-leicht-kurz".

Gut.

Aber ich bin auch SLK, aber eher im Sinne von "schlapp-lauffaul-kurzatmig". Mit anderen Worten: ich hab' keine Lust, den Renner anzuschieben, und Kickstarter hat die Guzzi keinen. Ergo muss eine Startmaschine her. Nach einigen Wochen Internetrecherche finde ich einen kommerziellen Anbieter, der so was herstellt, als Antrieb dient 'ne Flex, Kraft per Rollen auf's Hinterrad, sieht gut aus -- 550 Euro. Nein. Aber ein Mensch namens Mike aus dem Norden der Republik bietet eine Eigenbaumaschine an, die kost' nicht mal die Hälfte und ich kauf' das Ding unbesehen.

Gut.

Eine Woche später bringt ein fluchender Lastwagenfahrer eine Palette, unter deren Last sein Sackkarren ächzt. Gott sei Dank bin ich derweil nicht zu Hause, aber mein Hinterhausnachbar, der zu dem Zeitpunkt da war, schildert mir in blumigen Worten, dass er es für eine ziemliche Unverschämtheit halte, wenn ich dem Transportunternehmen seine Adresse gäbe, damit man meinen bleischweren Schrott in meiner Abwesenheit vor seiner Haustür deponiere, und er sich dann fast das Kreuz ausrenke, um das wieder wegzuräumen, weil er sonst nicht in seine Wohnung könne usw.usf....ein paar Biere später (auf meine Rechnung) haben wir uns dann wieder vertragen.

Gut.

Die monströse Startmaschine wird von einem Bauknecht-Elektromotor angetrieben, der 2,5 kW hat. Goil. Leider braucht das Dingens 380V Drehstrom, und ich hab' nur 220V in der Garage. Und keine Ahnung davon, wie und ob man das umfrickeln kann. Aber: wozu hat man Freunde mit Durchblick? Knapp drei Tage später sitzen die hochaufragenden Türme dreier wirklich fetter Vorschaltkondensatoren neben dem Bauknecht-Motor, oben aus den Kondensatoren gucken abenteuerlich dicke Kabel 'raus  und die Startmaschine sieht jetzt endgültig aus wie irgendeine apokalyptische Maschinerie aus einem Sciene-Fiction-Film der zwanziger oder dreißiger Jahre. Würde bestens in das Labor von Dr. Frankenstein passen. Sofern der 220V-Steckdosen  hatte.

Gut. Für das Folgende muss man jetzt wissen, dass mein Nachbar im Hinterhaus einen Elektrodurchlauferhitzer hat und ungern kalt duscht.

Also (das war gestern spät abends): Startmaschine einstöpseln, Knopfdruck (leichtes Flackern des Garagenlichtes), wuuiuiuiui, läuft prima,  BATSCH --- Dunkelheit umfängt mich, die Garage, das Hinterhaus. Stille. Die alsbald von geradezu biblischen Verfluchungen meiner minderwertigen Person aus dem Munde meines Hinterhausnachbarn zerrissen wird, der, wie schon erwähnt, nicht nur ungern kalt duscht, sondern noch weniger gern halbnackt im Dunkeln in den gerümpel- und spinnwebenverseuchten Keller geht, um die Sicherungen des Hinterhauses und der Garage wieder einzuschalten.

Dumm gelaufen.

Wie mache ich ihm jetzt klar, dass wir eine stärkere Sicherung brauchen? Noch dazu, wo die Garage an seinem Stromzähler hängt, was er bei dieser Gelegenheit erst gemerkt hat...

Ich fahr' jetzt erst mal in Urlaub.

 

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