Grußregeln unter Motorradfahrern

In diesen Zeiten, anno domini MIM, in denen die StVO vermutlich umfangreicher ist als das alte und das neue Testament zusammen (von der Kürze der 10 Gebote gar nicht zu reden...); in diesen Zeiten würde ich mich hüten, irgendwelche weiteren Regeln auch nur denken zu wollen.

Wenn ich an viel befahrenen Sonntagen vor lauter zweirädrigem Gegenverkehr die linke Hand nicht mehr zum Kuppeln an den Lenker kriege, dann lass' ich's halt bleiben. Das Grüßen, nicht das Kuppeln. Ohnehin hab' ich mitunter den Eindruck, als sei die Grüßerei in vielerlei Hinsicht zu einen Spielchen verkommen: Wer die Hand als erster vom Lenker hebt, verliert, wer sie aber erst so spät hebt, dass der Entgegenkommende sie nicht mehr sehen kann, verliert auch. Zusätzliche Würze kriegt das Spielchen dadurch, dass implizite erwartet wird, dass der hubraum- (oder prestige-) unterlegene Fahrer zuerst grüßt. Und wer 125er grüßt, womöglich noch als erster, verliert sowieso. Harleyfahrer haben Nicht-Harley-Fahrer herablassend-lässig zu grüßen. Ausgesprochene Freude ist jedoch kund zu tun, wenn man einem typgleichen Motorrad begegnet. Fahrer von Veteranenfahrzeugen haben Grüße würdevoll anzunehmen, aber nicht auszuteilen usw.usf. Manchmal hab' ich Lust auf das Spiel, dann mach' ich mit, Sonntagmittags meistens nicht. Wenn ich aber nach 'ner Stunde einsamer Fahrt bei Regen im Mittelgebirge mich wirklich freue, einen entgegenkommenden Kollegen zu sehen, dann grüß' ich. Was brauch' ich Regeln? Doch, eine altehrwürdige Regel der Motorradfahrerei halt' ich dann doch für angemessen: am Straßenrand hat einer ein Problem: Du hilfst. Fraglos. Aber nicht wenn schon 20 nebendran stehen.

Hessischer Dialog am Montag:

"Ei, Schorsch, was issen los, du hast ja die link' Hand eigegipst?"

"Des kimmd vom Modorradfah'n."

"Bisde uff die Fratz gefalle?"

"Ach was, awwer isch hab' de ganze Sonndaach in aam ford de linke Aam hochgeroppt, weil mer dauernd aaner entgäschegekomme is."

"Unn' dadevo is' des?"

"Ned direggt."

"Wie, ned direggt? Indireggt?"

"Ei ja, wie isch am Sonndaach aawend uff'm meim scheißenge Scheißhaus hogg' unn' die Franggforter Rundschau läs, da hawwe die uff aamool beim Umblättern uff de dridde Seid e Bild vonneme Motorradfahrer von vorne und da had's mer de linke Aam widder hochgeroppt unn dadebei habbisch de Allibert zerkloppt unn mer an de Spieschelschäärwe bees die Hand verschnitte..."

"Des is schee bleed..."

"Ja, awwer was misch am meisde ärschert iss, dass isch erst hinnerher gemerkt hab, dass ich den Kerl gar ned hätt grüsse müsse: es war nämlisch nur e Hunnertfünfenzwanzischer uff dem Bild..."

 

Hat Ihnen die Geschichte gefallen? Viel mehr gibt es im Buch!

Jetzt bestellen